Einblick in ein exotisches Unter-nehmen

Wirtschaftsjunioren besuchten Papierfabrik Gebr. Grünewald in Kirchhundem

Kirchhundem, 10. Juli 2013 – In der Metall dominierten Wirtschaftsstruktur des Kreises Olpe ist die in Kirchhundem-Hofolpe ansässige Firma Gebr. Grünewald GmbH & Co. KG ein wahrer Exot: Mit rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden hochwertige Lebensmittel-Verpackungspapiere für den europäischen Markt produziert. Wie Mitglieder der Wirtschaftsjunioren Südwestfalen (WJSW) und des Industrie- und Handelsclubs Südwestfalen e.V. vor kurzem bei einer Besichtigung „vor Ort“ erfuhren, befindet sich die Papierfabrik in einer exponierten Situation: Sie ist sehr energieintensiv bezüglich Strom- und Wärmeverbrauch, beteiligt sich direkt am Emissionshandel und wird von den Irrungen und Wirrungen der nationalen und europäischen Energie- und Klimapolitik unmittelbar betroffen.  Schließlich sind in der Bruttowertschöpfung von Gebr. Grünewald jeweils 30 Prozent Strom- und Gaskosten enthalten.

Der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens, Dr. Christopher Grünewald, machte seine Besucher zu Beginn darauf aufmerksam, dass heute auf der großen Papiermaschine nur noch Lebensmittel-Papiere im Vollkonti-Betrieb produziert werden. Eine Papierverarbeitung findet in dem 1874 gegründeten und  seit 1896 am Standort Hofolpe ansässigen Familienunternehmen längst nicht mehr statt.  Dies erledigen die Abnehmer der großen Papierrollen aus Hofolpe, indem sie daraus etwa Brötchentüten für Bäckereien konfektionieren sowie sog. Barriere-Papiere (weiße Innenbeschichtung für Kartons), Einschlagpapiere für den Blumenhandel oder Tabletop-Papier wie zum Beispiel Papiertischdecken und Papierservietten für Eisdielen oder Banderolen-Papiere für Handtücher verarbeiten.  Da man großen Wert auf die eigene Berufsausbildung legt und besonders um die Jugendliche im privaten Umfeld  der Mitarbeiter wirbt, hat Gebr. Grünewald nach Angaben des Geschäftsführers mit einem Altersschnitt von ca. 40 Jahren eine „gesunde Betriebs- und Altersstruktur“.

„Mit einem Jahres-Umsatz von rund 32 Mio. Euro gehören wir in Europa zu den sieben oder acht namhaften Herstellern von Lebensmittel-papieren“, betonte Dr. Grünewald. Beim Einsatz von Recycling-Materialien bei der Herstellung von Papier sei man sogar führend. Da die Druckereien durch die Konkurrenz der elektronischen Medien aber einem massiven Strukturwandel unterworfen wären, bekomme man nicht mehr ausreichend graphische Papierabfälle für die Herstellung von weißgedeckten Verpackungspapieren und müsse deshalb zusätzlich Zellstoff in der Produktion einsetzen.

Dem Markttrend folgend produziert man längst nicht nur weiße sondern auch braune und intensivfarbige Verpackungspapiere. Mit der Konsequenz, dass die dazu notwendigen  Farbumstellungen in der Papier-Produktion regelmäßige aufwändige Reinigungs- und Umstellungsarbeiten nach sich ziehen. Ausgelöst wurde dieser Trend, so Dr. Grünewald,  maßgeblich durch  einen großen Discounter, der in wenigen Jahren zum größten Bäcker der Republik mutierte und auf braune Brötchentüten setzt.

Kein gutes Haar ließ Dr. Grünewald an der europäischen und deutschen Energiepolitik. Vor allem der „ohne Sinn und Verstand“ in Deutschland geförderte Ausbau nicht grundlastfähiger  erneuerbarer Energien wie Photovoltaik und Windkraft ist aus seiner Sicht extrem teuer und führt zudem zu einer Destabilisierung der für die Industrie so wichtigen Stromversorgung. So habe man zwar erneuerbaren Strom im Übermaß, aber keine ausreichenden Verteilnetze und Stromspeicher, kritisierte Dr. Grünewald. Konventionelle Kraftwerke würden ohne neue Subventionen für deren Betrieb immer unwirtschaftlicher und abgeschaltet. Die Zeche in Form hoher Stromkosten zahlten die privaten Verbraucher und die Industrie in Deutschland. Inzwischen würden erste  stromintensive Branchen Standortentscheidungen gegen Deutschland treffen. Diese Entwicklung gefährde die geschlossenen Wertschöpfungsketten und damit einen  zentralen Erfolgsfaktor der deutschen Volkswirtschaft.

Alles in allem war dies für die Wirtschaftsjunioren „…eine höchst gelungene Veranstaltung. Es ist immer wieder toll, solche mittel-ständischen Unter­nehmen zu besuchen und mit ihren Unternehmern ins Gespräch zu kom­men“, lobte WJSW-Vorsitzender Markus Weber in seinem Dankeswort. Er erinnerte daran, dass Dr. Grünewald selbst lange aktiver Wirtschafts­junior gewesen sei und heute seine fundierten  Kenntnisse auf dem Gebiet der Energiepolitik im Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) einbringe. „Das ist gelebtes Unternehmertum“.

Bericht: Josef Wiesmann

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