Familienbewusste Personalpolitik – eine kluge Strategie gegen den Fachkräftemangel

Siegen. - Rund 50 Unternehmensvertreterinnen und -vertreter bekamen jetzt Anregungen, wie eine familienfreundliche Unternehmenskultur gestaltet werden kann. Zu der Fachtagung hatten die Wirtschaftsjunioren Südwestfalen und das „Netzwerk W“ des Kreises Siegen-Wittgenstein eingeladen, sie wurde mit Mitteln der Europäischen Union und des Landes NRW gefördert. Das regionale Projekt „Netzwerk W“ engagiert sich für eine Informationsvernetzung für Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger und eine bessere Abstimmung der Erwartungen und Ziele sowohl auf Seiten der Arbeitnehmer als auch der Unternehmen. Denn: Der Euro-Krise zum Trotz haben die heimischen Unternehmen derzeit eine gute Auftragslage. Das drückt sich auch darin aus, dass die Arbeitslosenquote auf Rekordtief liegt – gut für den Arbeitsmarkt, aber mit Folgen für die Betriebe: Fachkräftemangel ist das Stichwort. Manches Unternehmen wird derzeit in seinem Wachstum begrenzt, weil es nicht genug qualifizierte Arbeitskräfte findet. Demgegenüber steht eine Vielzahl junger, gut ausgebildeter Frauen und Männer, die nach einer Zeit der Familienarbeit gerne wieder in ihren erlernten Beruf einsteigen würden, wenn denn die Rahmenbedingungen stimmen. Deshalb kann es sich für Unternehmen lohnen, ein verstärktes Augenmerk auf eine familienbewusste Personalpolitik zu legen, um das große Potenzial der Berufsrückkehrer zu nutzen. „Nur wenn Familienfreundlichkeit im Unternehmen auch gelebt wird, strahlt sie so weit nach außen, dass die Attraktivität der Arbeitsplätze die begehrten Fachkräfte auch zieht.“, so Sabine Bechheim, KM:SI GmbH, Koordinatorin des Netzwerks W.



Für die Wirtschaftsjunioren hat das Thema doppelte Bedeutung: „Wir sind nicht nur im Unternehmen vom Fachkräftemangel betroffen, sondern müssen auch unsere eigene Familien- und Berufsplanung in Einklang bringen“, so Dirk Helmes, stellv. Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren (ab 01.01.12 Vorsitzender). In zwei Workshops mit den Themen „Teilzeit ist mehr als halbtags – Familienfreundlichkeit ist mehr als Teilzeit“ und „Eine starke Arbeitgebermarke durch Familienbewusstsein“ konnten konkrete Fragestellungen und praxisorientierte Strategien erörtert werden. Bertram Müller, der Geschäftsführer der Kreisklinikum Siegen GmbH erläuterte zum Beispiel: „Bei einer Frauenquote von mehr als dreiviertel der Beschäftigten müssen wir handeln. Eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung im Klinikum ist nur zu stemmen, wenn die Familien eine entsprechende Unterstützung bekommen.“ Deshalb gibt es in seinem Unternehmen u. a. die Möglichkeit, Betriebskindergarten oder Notfallbetreuung in Anspruch zu nehmen. Auch die EJOT Holding GmbH & Co. KG hat sich auf den Weg gemacht: Die Leiterin der Personalentwicklung, Frau Andrea Neuland, erklärte: „Das Schwierigste dabei ist die Veränderung der Kultur im Unternehmen. Erstmal müssen alle Mitarbeiter über die Möglichkeiten der Vereinbarkeit informiert sein - viel entscheidender ist aber dann, dass das Thema im Alltag auch gelebt wird.“ Dr. Silvester Schmidt, der gemeinsam mit Elke Hömske die Moderation inne hatte, stellte in seinem Impulsvortrag heraus, dass eine verbesserte Familienfreundlichkeit unmittelbare Auswirkungen auf betriebswirtschaftliche Kennzahlen in Unternehmen hat. Klar wurde dabei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, dass gerade in den mittelständischen Unternehmen ein schrittweises Vorgehen erforderlich ist. Und dass auch kleine Dinge, wie das Vorhalten von Notfall-Telefonnummern, für unerwartete Betreuungslücken, schon eine enorme Hilfe sein können.

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